Sexuelle Bildung für Menschen mit Behinderungen – Alltagssprache
Das Thema „Sexuelle Bildung für Menschen mit Behinderungen“ bekommt immer mehr Aufmerksamkeit. Das war nicht immer so. Es galt lange als Tabuthema. Menschen mit Behinderungen wurde das Ausleben von Sexualität lange nicht zugetraut. Heute wissen wir: Jeder Mensch hat ein Recht auf Sexualität!
Menschen mit Behinderungen stoßen gerade beim Thema Sexualität häufig noch auf Barrieren. Pädagogischen Fachkräften kommt beim Abbauen dieser Barrieren eine besondere Bedeutung zu, z.B. im Hinblick auf diese Aspekte:
1. Sexuelle Selbstbestimmung fördern heißt Selbstbestimmung fördern.
Menschen mit Behinderungen können besonders aus strukturellen Gründen oft noch nicht selbstbestimmt leben. Zum Beispiel in Bezug auf Wohnen, Arbeiten, Freizeit gestalten – aber auch in Bezug auf Sexualität.
2. Geschütze Räume schaffen
Für intime Momente braucht jeder Mensch einen geschützten Raum.
Viele Menschen mit Behinderungen haben zu wenig Privatsphäre. Das macht es schwer, Nähe oder Sexualität zu erleben.
3. Wissen über Körper und Sexualität vermitteln
Nicht alle Menschen wissen genug über ihren eigenen Körper oder über Sexualität.
Sie fragen sich wie sie gut über Sexualität sprechen und wie sie sich verhalten können. Manchmal kommt auch Scham hinzu.
4. Menschen mit Behinderungen erleben mehr Gewalt als Menschen ohne Behinderungen.
Nur wer wissen über den eigenen Körper und über eigene Körpergrenzen und die von anderen hat, kann sich schützen. Es braucht Wissen darüber, was eigentlich Gewalt ist und was Macht damit zu tun hat.
Fachkräfte können ermutigen, informieren und Gespräche ermöglichen, damit Menschen selbstbewusst mit ihrem Körper und ihren Bedürfnissen umgehen können. Fachkräfte können helfen, Räume und Möglichkeiten zu schaffen, in denen Menschen sich mit ihren Wünschen und Bedürfnissen auseinandersetzen können.
Ich arbeite deshalb sowohl mit Menschen mit Behinderungen als auch mit Fachkräften der Eingliederungshilfe. Ziel ist es Menschen mit Behinderungen ein positives Körperbewusstsein zu vermitteln und sie in ihrer Selbstbestimmung zu stärken. Da Fachkräfte Menschen mit Behinderungen häufig in ihrem Alltag begleiten und unterstützen, muss es außerdem Ziel sein die Handlungssicherheit der Fachkräfte in Bezug auf den Umgang mit Sexualität zu stärken.
